Unser eigentlicher Plan - ein beliebtes Seengebiet 60 km von der Stadt entfernt zu besuchen - wurde vom Wetter durchkreuzt. Als wir am Samstagmorgen 6.30 Uhr aufwachten, regnete es in Strömen. Wir schmiedeten schnell einen neuen Plan, der zunächst Ausschlafen vorsah. Prima! Später machten wir uns zum Provinzmuseum auf. Hier kann man alle Errungenschaften Chinas und der einzelnen Dynastien in der Region Hubei bewundern. Porzellan, Seide, einige besondere Musikinstrumente, die Entwicklung der Schrift und das Großprojekt des Drei-Schluchten-Staudamms. Außerdem gibt es viele Erklärungen zur Geschichte und zum Kommunismus, aber irgendwann ließ die Konzentration durch das ständige Übersetzen nach und wir beschränkten uns auf's Anschauen.
Nach dem frühmorgendlichen Regen hatte es sich im Nu wieder auf mindestens 35°C erhitzt. Wir zogen also ein weiteres Touristenhighlight in klimatisierten Räumen vor. Im Stadtplan war ein "Oceaneum" ausgewiesen und wir nahmen an, dass es sich um irgendeine Art großes Aquarium handelt, indem man die einheimische Unterwasserwelt bestaunen kann. Leider gingen auch hier wieder deutsche und chinesische Vorstellung weit auseinander. Denn es handelte sich lediglich um eine große Parkanlage in der ein Freibad mit Wasserrutschen zu finden war. Da wir nicht damit gerechnet hatten, dass es nach dem regnerischen Morgen noch so heiß wird, hatten wir leider keine Badesachen dabei. Wir schlenderten schließlich mehrere Stunden durch die Anlage am East Lake, fuhren eine Runde mit dem Tretboot und aßen zu Mittag. Das Restaurant wirkte nicht sehr einladend. Aber es war die einzige Möglichkeit etwas anderes außer Eis zu essen, denn sonst waren nur kleine Imbissbuden zu finden. Unsere private Dolmetscherin Petra unterhielt sich lange mit dem Chef des Restaurants und erklärte ihm, dass wir gerne etwas nicht so scharfes und etwas ohne Knochen hätten. Es war ein langes Gespräch, aber als die Speisen auf den Tisch kamen, waren wir nicht ganz so sicher, ob sie sich tatsächlich über das Essen unterhalten haben ;o). Es gab eigentlich nur ein Gericht, welches den oben genannten Anforderungen entsprach. Dieses bestand aus - in viiiieeel Knoblauch angerichtetem - Gemüse und es war mit Abstand das Beste am ganzen Menü. Die anderen Gerichte waren auch okay, aber eben ziemlich scharf zubereitet mit reichlich Ingwer und Chili. Der absolute Höhepunkt kam als letzter Gang und es war das Hühnchen. Ich glaube man kann froh sein, dass sie es noch rupfen und ausnehmen, denn ansonsten wird ALLES gebraten, zum Schluss nur mit dem Hackebeil ein paar mal zerteilt und so serviert. Nun kam ich also auch endlich in die Verlegenheit die hochgelobten Hühnerfüße zu probieren. ...
Zur Erläuterung:
Petra ist die Studentin mit der ich mir das Zimmer im Gästehaus teile. Sie ist 3/4-Chinesin und kann perfekt chinesisch sprechen. Das vereinfacht das Leben hier sehr. Außerdem kennt Sie sich mit den chinesischen Gepflogenheiten aus und kann uns viele Hintergrundinformationen geben. Da sie jedoch in Österreich aufgewachsen ist und mittlerweile in Deutschland studiert, ist sie selbst doch mehr deutsch als chinesisch. Daher regt sie sich regelmäßig über die komplizierten Chinesen auf.
Samstag, 7. August 2010
Freitag, 6. August 2010
Wieder ein Tag auf Station
Nach der Konferenz ging es zur Visite. Wir fingen im Intermediate Care Zimmer an. In diesem Raum liegen die schwerer verletzten Patienten, die stärker überwacht und gepflegt werden müssen. Die Patienten wurde von einem Assistenzarzt vorgestellt, wie bereits an den anderen Tagen. Heute gab es jedoch stets noch eine kleine Weiterbildung zum Krankheitsbild dazu. Es wurde bei jedem Patienten mindestens 5 Minuten lang irgendetwas erklärt. Leider ist mein Mandarin so schlecht, dass ich gar nichts davon verstanden habe. Eine Studentin hat mir nur jeweils eine kurze Zusammenfassung in Englisch gegeben. Ich gebe zu, dass in gewisser Weise damit zu rechnen war, das es Kommunikationsprobleme geben könnte, allerdings hatte ich schon gehofft, dass im Krankenhaus etwas mehr Englisch gesprochen wird, da dieser Studentenaustausch ja auch nicht erst seit gestern stattfindet. Hmmm... schade. Danach wurden die restlichen Patienten in gewohntem Chirurgentempo visitiert. Anschließend gab es für mich wieder einen kleinen Radiologiekurs und Verbandswechsel. Die werden hier nämlich nicht wie in Deutschland von den Krankenschwestern sondern von den Ärzten gemacht. Und weil ich so toll assistiert habe, durfte ich zur Belohnung eine Pleurapunktion machen. Auf dem Gang! Also es ist ja wirklich nicht viel anders als bei uns, wenn man davon absieht, dass ständig jemand vorbeirennt, man eigentlich überhaupt keinen Platz zum Arbeiten hat und man natürlich tierisch aufpassen muss, dass man mit seinen sterilen Handschuhen nicht irgendwo dran stößt. Leider gab es auch hier wieder ein paar Kommunikationshindernisse, sodass sich der Arzt (der mich anleiten wollte) dann auch noch sterile Handschuhe überwarf, um mir zeigen zu können, was er meint. Wir haben das Werk dann gemeinsam erfolgreich beendet =).
so ein bißchen Schmerzen...
Die meisten Patienten in der Traumatologie sind Verkehrsunfallopfer. Häufiger verlieren natürlich die Motorroller den Kampf gegen ein Auto oder einen Bus. Da man hier ja prinzipiell ohne Helm und in kurzen Klamotten unterwegs ist, kommt es oft zu sehr häßlichen und unterschiedlich tiefen Hautabschürfungen. Die Verbandswechsel werden aber ohne Rücksicht auf Verluste ohne jegliche Analgosedierung oder wenigstens Analgesie durchgeführt. Alles Quatsch! So ein bißchen Nekrosenabtragung auf einer Wundfläche von 5x20 cm geht schließlich auch so. Das ist alles nur eine Frage der Körperbeherrschung und des Qi. Schön tief in den Bauch atmen und alles wird gut.
Donnerstag, 5. August 2010
Der erste Tag im OP
Nach dem gestrigen Stationstag, ging es heute - nach der Morgenkonferenz und Visite - in den OP. OP Beginn ist 9.00 Uhr. Die Arbeitszeiten gefallen mir ganz gut. (Gruß nach Aue ;o)) Nachdem ich durch die Wirren des OP Traktes bis zum OP 29 (von insgesamt 30) vorgedrungen war, hatte ich noch ein wenig Zeit, um mir ein Bild von chinesischen OP-Bedingungen zu machen. Der größte Unterschied ist die Tatsache, dass alle OP Türen ständig offen sind. Die ganze Zeit über! Also nicht nur während der Einleitung. Nein! Die gesamte OP hindurch.
Man kann ja immer nur mit dem vergleichen was man kennt und irgendwie als "normal" wahrnimmt, daher würde mich mal interessieren wie die Infektionsraten sind und ob dieses Vorgehen tatsächlich so gefährlich ist.
Na ja, ansonsten gab es keine weiteren gravierenden Unterschiede. Wir versorgten dann eine komplette Unterarmfraktur mit zwei Platten, was relativ problemlos ging.
Nach dieser Anstrengung stärkten wir uns zum Mittag in der chinesischen OP Kantine. Die Operateure staunten nicht schlecht, wie gut ich doch mit diesen zwei Holzstöckchen mein Essen in den Mund bekam. Vorurteile haben andere Nationen also auch. Die Chinesen glauben wohl, dass es ihnen angeboren sei mit Stäbchen zu essen und das der gemeine Mitteleuropäer dazu nicht im Stande ist. Ha! Falsch gedacht!
Im Anschluss sollte noch eine Notfalloperation bei einem Patienten mit Verkehrsunfall stattfinden. Als wir jedoch im OP eintrafen, mussten wir leider feststellen, dass er weder von dieser (traumatologischen), noch von einer anderen OP profitieren wird. Er hatte offenbar massive innere Verletzungen.
Um nicht völlig demoralisiert den Tag zu beenden, beteiligte ich mich noch am allgemeinen OP-Hopping. Da ja sowieso alle Türen offen stehen, kann man ganz ungeniert in jeden Saal gehen und schauen, was die Kollegen so treiben. Das ist für Studenten natürlich super, weil man sich alle möglichen Dinge anschauen kann. Da das für die Leute hier völlig normal ist, motzt auch keiner rum. Herrlich! Ich hab also noch kurz bei den Bauch-, Herz und Neurochirurgen reingeschaut.
Traumatologisch scheint hier recht wenig los zu sein, deswegen werde ich mir wohl öfter mal "artfremde" Operationen anschauen. Die Gelegenheit bekommt man ja auch nicht alle Tage.
Man kann ja immer nur mit dem vergleichen was man kennt und irgendwie als "normal" wahrnimmt, daher würde mich mal interessieren wie die Infektionsraten sind und ob dieses Vorgehen tatsächlich so gefährlich ist.
Na ja, ansonsten gab es keine weiteren gravierenden Unterschiede. Wir versorgten dann eine komplette Unterarmfraktur mit zwei Platten, was relativ problemlos ging.
Nach dieser Anstrengung stärkten wir uns zum Mittag in der chinesischen OP Kantine. Die Operateure staunten nicht schlecht, wie gut ich doch mit diesen zwei Holzstöckchen mein Essen in den Mund bekam. Vorurteile haben andere Nationen also auch. Die Chinesen glauben wohl, dass es ihnen angeboren sei mit Stäbchen zu essen und das der gemeine Mitteleuropäer dazu nicht im Stande ist. Ha! Falsch gedacht!
Im Anschluss sollte noch eine Notfalloperation bei einem Patienten mit Verkehrsunfall stattfinden. Als wir jedoch im OP eintrafen, mussten wir leider feststellen, dass er weder von dieser (traumatologischen), noch von einer anderen OP profitieren wird. Er hatte offenbar massive innere Verletzungen.
Um nicht völlig demoralisiert den Tag zu beenden, beteiligte ich mich noch am allgemeinen OP-Hopping. Da ja sowieso alle Türen offen stehen, kann man ganz ungeniert in jeden Saal gehen und schauen, was die Kollegen so treiben. Das ist für Studenten natürlich super, weil man sich alle möglichen Dinge anschauen kann. Da das für die Leute hier völlig normal ist, motzt auch keiner rum. Herrlich! Ich hab also noch kurz bei den Bauch-, Herz und Neurochirurgen reingeschaut.
Traumatologisch scheint hier recht wenig los zu sein, deswegen werde ich mir wohl öfter mal "artfremde" Operationen anschauen. Die Gelegenheit bekommt man ja auch nicht alle Tage.
Mittwoch, 4. August 2010
Der erste Tag im Krankenhaus
Heute war ich zum ersten Mal in einem chinesischen Krankenhaus. (Wir durften uns noch zwei Tage von der Reise erholen ;o) )
Ich habe mich für den Anfang für Traumatologie entschieden.
Prinzipiell begann der Tag ähnlich wie in jedem deutschen Krankenhaus. Um 8.00 Uhr ging es mit einer "Röntgen-Konferenz" los. Anschließend ging es zur Visite. Hier waren schon die ersten Unterschiede erkennbar, denn es wurden nicht immer alle Patienten des Zimmers visitiert, allerdings ohne für mich erkennbare Gründe. Später wurde mir erklärt, dass die Patienten zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt werden und "wir" kümmern uns eben nur um die Eine. Nach der Visite ging jeder Arzt seinen Aufgaben nach. Ich wurde einem Arzt zugeteilt, der sich die aktuellsten Röntgenbilder anschaute. Er lud mich also zum gemeinsamen Röntgenbilderraten ein. Na wenigstens konnte ich da auch mal was erkennen, denn ansonsten kann ich hier ja nur Zahlen entziffern. Der Rest ist eben Zeichensprache.
Da heute keine OP geplant war, hatte ich dann nicht mehr sehr viel zu tun. Ich habe dann als Highlight des Tages noch bei einer Pleurapunktion zugeschaut. Prinzipiell unterschied sich auch diese nicht wesentlich von einer deutschen Pleurapunktion, wenn man davon absieht, dass sie mitten auf dem Gang stattfand. Hygiene und Sterilität werden eben absolut überbewertet ;o). Mal ganz abgesehen von der Privatsphäre des Patienten.
Ach ja, das ist auch ein bißchen anders. Hier liegen regelmäßig, und nicht nur vorübergehend bis ein Bett frei ist, Patienten auf dem Gang. Deswegen musste die Punktion auch auf dem Gang stattfinden, denn das war quasi das Patientenzimmer.
Da das Krankenhaus offensichtlich mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze angelangt ist, wird derzeit ein weiteres 27-etagiges Haus gebaut wird.
Ich habe mich für den Anfang für Traumatologie entschieden.
Prinzipiell begann der Tag ähnlich wie in jedem deutschen Krankenhaus. Um 8.00 Uhr ging es mit einer "Röntgen-Konferenz" los. Anschließend ging es zur Visite. Hier waren schon die ersten Unterschiede erkennbar, denn es wurden nicht immer alle Patienten des Zimmers visitiert, allerdings ohne für mich erkennbare Gründe. Später wurde mir erklärt, dass die Patienten zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt werden und "wir" kümmern uns eben nur um die Eine. Nach der Visite ging jeder Arzt seinen Aufgaben nach. Ich wurde einem Arzt zugeteilt, der sich die aktuellsten Röntgenbilder anschaute. Er lud mich also zum gemeinsamen Röntgenbilderraten ein. Na wenigstens konnte ich da auch mal was erkennen, denn ansonsten kann ich hier ja nur Zahlen entziffern. Der Rest ist eben Zeichensprache.
Da heute keine OP geplant war, hatte ich dann nicht mehr sehr viel zu tun. Ich habe dann als Highlight des Tages noch bei einer Pleurapunktion zugeschaut. Prinzipiell unterschied sich auch diese nicht wesentlich von einer deutschen Pleurapunktion, wenn man davon absieht, dass sie mitten auf dem Gang stattfand. Hygiene und Sterilität werden eben absolut überbewertet ;o). Mal ganz abgesehen von der Privatsphäre des Patienten.
Ach ja, das ist auch ein bißchen anders. Hier liegen regelmäßig, und nicht nur vorübergehend bis ein Bett frei ist, Patienten auf dem Gang. Deswegen musste die Punktion auch auf dem Gang stattfinden, denn das war quasi das Patientenzimmer.
Da das Krankenhaus offensichtlich mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze angelangt ist, wird derzeit ein weiteres 27-etagiges Haus gebaut wird.
Dienstag, 3. August 2010
Unterkunft
Die Austauschstudenten (zumeist aus Deutschland) sind im Gästehaus der Tongji Medical School untergebracht. Ich denke man kann dieses Gebäude als ein Studentenwohnheim der Extraklasse bezeichnen. Das bedeutet, wir genießen den Luxus uns das Zimmer nur zu Zweit teilen zu müssen. Chinesische Studenten leben in solch einem Zimmer meist zu Viert oder Sechst. Außerdem haben wir Air condition und ein eigenes Bad. Dieses ist irgendwie ein bißchen "speziell". Es gibt keinen Duschvorhang, dafür aber einen Abfluss mitten im Raum. Wenn man die Dusche benutzt, hat man quasi gleichzeitig das Bad geputzt, denn danach ist wirklich alles nass. Bis auf diese Besonderheit ist das Zimmer aber völlig in Ordnung.
Montag, 2. August 2010
Angekommen
Nach 24 Stunden Reisezeit bin ich wohlbehalten in China um 20:30 Uhr (Ortszeit) angekommen. Vom Flughafen holte mich Philipp (mein Betreuer) ab und brachte mich ins Gästehaus der Tongji Medical School. Auf der Fahrt konnte man schon einen ersten Eindruck chinesischer Fahrkünste erlangen...
Glücklich über die gute Reise, aber völlig erschöpft, schlief ich dann schnell ein.
Glücklich über die gute Reise, aber völlig erschöpft, schlief ich dann schnell ein.
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