Sonntag, 15. August 2010

Ausflug nach Wudang Shan (Freitag 13.08. - Sonntag 15.08.)

Sonntagmorgen.
Nun halfen alle Beschwörungen des Wettergottes nichts mehr. Es regnete in Strömen. Wir hatten ohnehin nur noch einen halben Tag Zeit bis zur Rückfahrt nach Wuhan und suchten jetzt nach allen Möglichkeiten um die Zeit bis dahin im Trockenen zu überbrücken. Eine hervorragende Gelegenheit mal wieder ein Museum zu besuchen ;o).  Ich muss jedoch zugeben, dass die Museen in China wirklich gut sind. Selbst in diesem kleinen Nest gab es ein sehr modernes Museum in dem die chinesische Architektur erklärt und natürlich der Mount Wudang gehuldigt wurde. Leider schloss das Museum aber schon um 11.00 Uhr. Den Rest der Zeit verbrachten wir dann noch beim Friseur und bei einem ausgiebigen Mittagessen bei dem wir endlich auch mal ein paar andere Europäer (Spanier) trafen. Sie waren zu einem Tai Chi Kurs in Wudang Shan und hatten, dafür dass sie kein chinesisch sprachen, eine äußerst gute Menüwahl getroffen. Wir tauschten also zuerst das Essen, dann die Meinungen aus und zum Schluss mussten wir natürlich noch auf China, Spanien und Deutschland anstoßen.

Samstag, 14. August 2010

Ausflug nach Wudang Shan (Freitag 13.08. - Sonntag 15.08.)

Samstagmorgen.
Purpurwolken-Palast
Nach einer guten Nacht auf einer steinharten Matratze wurde ich um 5.00 Uhr vom Regen geweckt, der neben meinem Fenster auf ein Plastikdach trommelte. Gut, dachte ich. In zwei Stunden wollen wir zum Mount Wudang aufbrechen, bis dahin darf es regnen. Und siehe da, es hat funktioniert. Als wir aufstanden, war zwar noch alles nass, aber kein Regentropfen fiel mehr vom Himmel. Wir fuhren zum Eingang des Nationalparks, der zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Mit diesem Titel geht man natürlich auch in China hausieren und deswegen zahlt man erstmal ordentlich Eintritt. Mit dem Bus ging es dann etwa eine Stunde bergauf bis zum Purpurwolken-Palast. Das zeitige Aufbrechen zahlte sich aus, denn wir waren mit die ersten Besucher dieses Tempels. Das war nun auch endlich ein Tempel wie man ihn sich vorstellt. Eine Oase der Ruhe mitten im Grünen. Na ja, zumindest solange bis die chinesischen Touristen ihn überbevölkerten. Nach der Besichtigung dieses Tempels fuhren wir mit dem Bus bis zur Endstation, wo sich der Startpunkt des Pilgerpfades zum Himmelspfeiler-Gipfel befand. In Begleitung einer Unmenge von Chinesen machten wir uns auf den Weg.
Es gibt hier als "Wanderwege" leider nur betonierte, mit tausendenen Stufen versehene Wege. Man hat also keine andere Möglichkeit das Ziel zu erreichen, als sich auf diesem einen Weg mit dem Strom zu bewegen. Dabei sollte man auch immer schön rechts gehen, da auf der linken Seite des circa einen Meter breiten Weges der entgegenkommende, bergablaufende Pilgerstrom entlangfließt. Für eine Strecke von 4,5 km (ist sinnigerweise eine Luftlinienangabe =)) und 900 Höhenmeter benötigten wir lockere 4 Stunden. Spätestens jetzt waren wir wirklich froh über den bewölkten Himmel und die 28°C. Auf dem Gipfel angekommen riss die Wolkendecke dann auf und wir konnten einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung genießen. Nach einer ausgiebigen Rast, wollten wir den Weg per Seilbahn auf einen anderen Gipfel fortsetzen. Allerdings mussten wir zu unserem Entsetzen feststellen, dass dort außer einer großen Baustelle keine Seilbahn zu finden war. Also, gebaut war sie schon. Nur fuhr eben keine Seilbahn. Denn entweder war die Endstation noch nicht fertig oder sie wurde einer Generalüberholung unterzogen oder ...? Wer weiß das schon. Chinesen scheinen solche Dinge auch nicht wirklich zu hinterfragen. Sie akzeptieren es einfach und gehen eben zu Fuß wieder bergab. Nach einer kurzen Phase der Verärgerung blieb uns letztlich auch nichts anderes übrig. Den Rückweg schafften wir dann in der Hälfte der Zeit und erreichten auch noch rechtzeitig einen Bus, der uns wieder aus dem Nationalpark brachte. Als Belohnung für diesen anstrengenden Tag gönnten wir uns dann alle noch eine Ganzkörpermassage. Hmmm..........schnurr.

Freitag, 13. August 2010

Ausflug nach Wudang Shan (Freitag 13.08. - Sonntag 15.08.)

Freitagmorgen. Abfahrt: 08.50 Uhr von Wuhan nach Wudang Shan. Ankunft geplant: 13.30 Uhr. Ankunft reell: 14.30 Uhr.
Also wenn sich jemand mit Massenveranstaltungen auskennt, dann die Chinesen. In einer riesigen Halle am Bahnhof von Wuhan warteten alle Reisenden fein säuberlich sortiert nach Zugnummern in bestimmten Wartebereichen. Wir gesellten uns zu unseren Mitreisenden dazu. Komischerweise war das die größte Menschenansammlung auf dem Bahnhof. Als unser Zug ausgerufen wurde, setzte sich eine schier endlose Reihe Menschen in Bewegung und lief noch relativ geordnet in Richtung der Abfahrtshalle der Züge. Hier jedoch ging die Ordnung alsbald in das gewohnte Chaos über und alle stürzten sich auf die Zugabteile. Glücklicherweise hatten wir eine Platzreservierung. Was zunächst nichts zu nützen schien, denn wir kamen gar nicht ins Abteil hinein. Es drängten so viele Menschen in "unser" Abteil, dass wir schon fürchteten gar nicht mehr mit zu kommen. Da wir uns jedoch schon einige der chinesischen Sitten angewöhnt haben, drängelten wir ordentlich mit und schafften es ohne Verluste tatsächlich in den Zug. Drängeln gewöhnt man sich hier wirklich schnell an. Bei so vielen Menschen geht es auch nicht anders, denn sonst ist man immer der Depp.
Nachdem diese erste Hürde genommen war, mussten wir nur noch unsere bereits besetzten Plätze zurück erobern und dann konnte es losgehen. Die Reisezeit verkürzten wir uns mit Essen und Kartenspielen, quatschen und aus dem Fenster schauen.
Am vermeintlichen Ziel stiegen wir aus dem Zug und schon eilten die ersten Fahrer auf uns zu, um uns nach Wudang Shan zu bringen. Zunächst verstanden wir gar nicht worum es ging (trotz Dolmetscherin Petra). Offenbar hatten die Chinesen eine neue Zugstrecke gebaut, die nun also gar nicht mehr direkt in Wudang Shan Halt machte wie es in unseren Reiseführern (Ausgabe 2008/09) stand, sondern in einem Nachbarort. Nachdem wir das begriffen hatten, stiegen wir etwas verunsichert in einen privaten Minibus ein, der uns dann tatsächlich ans Ziel brachte und uns sogar in der Stadt an einem Hotel rausließ. Wir bekamen zwei nette Zimmer zu einem relativ guten Preis. Unser Zimmer hatte ein noch interessanteres Bad als jenes im Gästehaus. Denn hier gab es eine chinesische Toilette die gleichzeitig als Duschabfluss fungierte. Prinzipiell finde ich das ja nicht unpraktisch, aber es ist doch irgendwie komisch.
Am Abend besichtigten wir noch das Städtchen und aßen äußerst gut und günstig zu Abend.

... Im ehemaligen Bahnhof von Wudang Shan befindet sich jetzt übrigens eine Musikschule.

Donnerstag, 12. August 2010

Nachtrag zur vergangenen Woche

Immer noch "nichts los". Weder auf Station noch im traumatologischen OP. Dennoch verbrachte ich die drei restlichen Tage der Woche im OP. Ich erweiterte mein chirurgisches Spektrum dabei um Herzchirurgie. Zwar habe ich keinen Vergleich zu Deutschland, aber ich muss gestehen, dass ich von der Arbeit der Herzchirurgen sehr beeindruckt war. Zur Abwechslung war in diesem Saal sogar während der gesamten Operation die Tür zu. Das Equipement war auf dem neuesten Stand und die Operateure waren äußerst entspannt. Es hat sich sogar ein Arzt gefunden, der mir Alles in schönstem Englisch erklärte.

Montag, 9. August 2010

Emergency Room

Eine neue Woche beginnt. Anfänglich schien es wieder ein "aufregender" Stationstag zu werden. Doch dann brachte mich der Vize-Chef in die Notaufnahme. Er stellte mich einem Oberarzt vor, der in Frankfurt a.M. 4 Jahre lang geforscht hat. Zum Einstieg erzählte dieser mir, in ziemlich gutem Deutsch wie ich fand, dass er kein Deutsch sprechen könne (hä???) und so einigten wir uns auf Englisch. Auch gut. Er führte mich ein bißchen in der Notaufnahme herum, zeigte mir zunächst die Räumlichkeiten und Ausstattung und anschließend stellte er mir nach und nach alle Patienten vor, die in einer Art Aufwach-/Beobachtungsraum lagen. Hauptsächlich hatten die Patienten Verletzungen durch Verkehrsunfälle oder Sturz aus großer Höhe. Bei den Verkehrsunfallopfern gibt es in erster Linie bereits erwähnte großflächige Hautabschürfungen, innere Verletzungen wie Milzrisse, Frakturen und Kopfverletzungen, da man hier in der Regel ohne Helm fährt. So auch bei unserem nächsten Notfall. Wieder ein Verkehrsunfallopfer. Er hatte keine äußeren Verletzungen, aber Anzeichen für ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Nach dem CT wurde er direkt in den OP gebracht. Neben diesem Fall gab es noch sehr viele Schnittverletzungen und Kopfplatzwunden zu sehen und zu versorgen. Alles in allem waren es zwar auch keine großen Sachen, aber immerhin konnte ich mehr tun als auf Station.

Sonntag, 8. August 2010

Sonntagsausflug

Ein weiterer Tag in der Stadt Wuhan stand bevor - heute mit privater Stadtführung. Zur Erklärung: Sabine und Markus studieren in Marburg, wo auch eine Chinesin aus Wuhan (Immunologieprofessorin) einige Jahre gearbeitet hat. Sie hatten bereits von Deutschland aus Kontakt zu ihr aufgenommen und sie hat jetzt eine ihrer Doktoranden zu unserem Stadtführer auserwählt. Sie führte uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, die wir bisher noch nicht gesehen hatten, unter anderem ein buddhistischer Tempel, den wir ohne sie wahrscheinlich gar nicht gefunden hätten.
Es gibt hier keine Altstadt oder ein kulturelles Zentrum. Große Teile der Stadt wurden im Krieg durch die Japaner zerstört. Danach sind die meisten Häuser in den 50er und 60er Jahren als Hochhäuser im altbekannten sozialistischen Einheitslook erbaut worden. An den meisten Häusern ist seitdem wahrscheinlich auch nie wieder etwas gemacht worden. Alle kleineren Häuser sind im Laufe der Zeit auch noch dem Hochhausbauboom zum Opfer gefallen. Deshalb gibt es leider nur ganz vereinzelt ein paar Gebäude in typisch chinesischer Bauweise. Meist sind es Tempelanlagen in abgeschlossenen Parks. Teilweise liegen diese aber direkt zwischen den Hochhäusern.
Nach dem kulturträchtigen Vormittag führte Tina (Chinesen geben sich oft westliche Namen) uns in ein sehr modernes Viertel, wo man den ganzen Tag essen und shoppen kann. Da wir jedoch alle recht flügellahm waren, einigten wir uns darauf nach dem Essen die Heimreise anzutreten und an einem anderen Tag zu einer ausgiebigen Shoppingtour zurück zu kommen.

Das neue Fahrrad...

...ist der Motorroller. Es handelt sich dabei um Elektroroller. Diese gelten quasi als Fahrrad, d.h. man braucht dafür keinen Führerschein und demnach auch keinen Helm. Fahrrad fährt man schließlich auch ohne Helm. Das erklärt einerseits die vielen Kopfverletzungen und andererseits das Verkehrschaos. Die Leute kennen offenbar keinerlei Verkehrsregeln und fahren deshalb einfach wie sie wollen. Das heißt im Klartext: man fährt da wo Platz ist, also auch auf dem Fußweg; man wechselt ständig die Spur und überholen kann man rechts genauso gut wie links. Besonders brisant werden die Überholmanöver immer an Bushaltestellen. Die Wartenden stehen teilweise so weit auf der Fahrspur, die eigentlich als Bushaltestelle gedacht ist, dass dem Busfahrer nichts anderes übrig bleibt, als auf der normalen Fahrspur anzuhalten. Sobald alle Passanten dann zum Bus geeilt sind, hat man als Rollerfahrer wieder Platz auf der Standspur und kann die ganze Meute rechts überholen.
Prinzipiell dürfte man ja davon ausgehen, dass wenigsten die Auto- und Busfahrer einen Führerschein haben, demnach eine Fahrschule besucht haben und die Verkehrsregeln kennen. Deswegen erklärt sich mir deren Fahrweise nicht. Ob das nur eine Anpassungsreaktion an die Rollerfahrer ist? Wer weiß. Jedenfalls fahren Letztgenannte auch nicht besser. Lediglich den Fußweg lassen sie noch in Ruhe, da sie einfach nicht drauf passen. Verkehrszeichen und Ampeln werden nur dann beachtet, wenn ein Polizist zusätzlich den Verkehr regelt. Tatsächlich stehen hier zu den Hauptverkehrszeiten an den großen Kreuzungen immer noch reichlich Verkehrspolizisten, die einfach nochmal die Aussage der Ampel bekräftigen. Bei Uniformierten ist die Hörigkeit aber glücklicherweise noch vorhanden ;o). Ampeln allein haben relativ wenig Bedeutung, um nicht zu sagen: gar keine! Als gut erzogene Deutsche überqueren wir die Straße natürlich erst, wenn die Ampel auf grün steht (;o)), um dann mitten auf der Straße plötzlich von zwei um die Kurve preschenden, wetteifernden Bussen umringt zu werden. Ab jetzt machen wir es wie alle Anderen. Wir schauen einfach ob was kommt und wenn es halbwegs frei scheint flitzen wir los. Ich glaube die Ampeln fallen hier einfach zu wenig auf, bei dem ganzen bunten Geblinker.

Abgesehen von dem fehlenden Wissen um Verkehrsregeln kommt bei den Elektrorollern noch hinzu, dass die so leise sind, dass man sie nicht wie in Italien schon von Weitem anknattern hört, sondern erst durch ein "dezentes" Hupen auf sie aufmerksam wird. Das ist ähnlich gemein wie die Radfahrer, die sich gern von hinten anschleichen und einen dann mit der Klingel erschrecken. Man muss also nicht nur beim Überqueren der Straße, sondern selbst auf dem Fußweg ständig wachsam sein und aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wird.